12019Mai
„Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.“
2. Samuel 7:22
Mit dem Bekenntnis zur Einheit Gottes
gab sich König David, der diesen Satz in einem Gebet aussprach, als einer der religiösen Nonkonformisten
seiner Zeit zu erkennen. Dass „alles voller Götter“ sei, war bei allen anderen Völkern ringsherum allgemeiner Grundkonsens.
Uns erscheint dagegen die Alternative „Es gibt entweder einen einzigen Gott oder gar keinen“ so selbstverständlich, dass uns die Kühnheit des Bekenntnisses zu einem einzigen Gott gar nicht mehr auffällt. Echte Heiden gibt es längst nicht mehr, selbst die heutigen Atheisten sind „A-mono-theisten“, Leugner des einen Gottes. Vielleicht kann man noch bei Reisen in ferne Länder
Menschen beobachten, deren Leben von Furcht vor dem Zorn und von Hoffnung auf die Gunst von Göttern bestimmt ist. Aber ansonsten ist die Welt, in der wir leben, götterlos.
Dabei sind uns die Mächte, die beispielsweise die Griechen des Altertums
in ihren Tempeln verehrten, keineswegs gleichgültig: Asklepios, der Gott
der Gesundheit, Hera, die Göttin des Familienlebens, Plutos, der Gott des
Reichtums, Aphrodite, die Göttin der Schönheit und Liebe, Dionysos, der
Party-Gott, Demeter, die Göttin der Nahrung, Apoll, der Gott der Musik,
Athene, die Göttin der Technologie, Ares, der Militärgott.
„Es ist keiner wie du“, sagt David: Keine dieser Gottheiten ist wie der
eine wahre Gott, und auch alle zusammen sind es nicht. Dass es nur einen
Gott gibt, bedeutet nicht, anstelle der vielen Götter einen einzigen
Multifunktionsgott zu verehren, dessen Aufgabe die Erfüllung aller unserer
Wünsche und Sehnsüchte ist. Das wäre ein monotheistisches Reform-
Heidentum, aber nicht Glaube an den wahren einen Gott.
In seiner Auslegung des ersten Gebots erklärt Martin Luther, was es
heißt, keine anderen Götter zu haben. Mancher hat, so Luther (etwas
zusammengefasst), „einen Gott, der heißt Mammon, das ist Geld und Gut,
darauf er all sein Herz setzt, welches auch der allergewöhnlichste Abgott
ist auf Erden. Also auch, wer darauf traut und trotzt, dass er grosse
Fähigkeiten, Klugheit, Macht, Beliebtheit, Freundschaft und Ehre hat, der
hat auch einen Gott, aber nicht den wahren, einen Gott. Das siehst du
daran, wie vermessen, sicher und stolz man ist auf solche Güter, und wie
verzagt, wenn sie nicht vorhanden oder entzogen werden. Denn einen
Gott haben, heißt, etwas haben, worauf das Herz gänzlich traut.“
Allein auf Gott zu vertrauen und sich von ihm in die Freiheit von den
Abgöttern unseres Herzens führen zu lassen, darauf kommt es an.
Martin Rothkegel (Theologische Hochschule Elstal)