12017Jul

„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und
aller Erfahrung.“ – Philipper 1:9
Wie werde ich reich? Durch Glück, weil ich reich erbe. Durch Zufall, weil ich
mit 6 Richtigen + Zusatzzahl den Lotto-Jackpot knacke. Oder durch viel Arbeit,
weil ich einen Plan verfolge und mich von Rückschlägen nicht entmutigen
lasse. Je nach familiärer Vermögenslage und Lottospielgewohnheiten stehen
die Chancen für die ersten beiden Varianten eher schlecht und ich werde um
die Arbeit nicht umhin kommen, wenn ich reich werden will.
Doch wie wird meine Liebe reicher? Ich kann eines von den Millionen Büchern
über die Liebe lesen und verstehe mehr. Ich kann mir von meinen
Freundinnen über ihre Erfahrungen mit der Liebe erzählen lassen und daraus
meine Schlüsse ziehen. Ich kann gebannt zusehen, wie
Hollywoodschönheiten in den Sonnenuntergang reiten und konstruiere mir ein
kitschig- romantisches Bild von der Liebe. Wirklich geliebt habe ich dann noch
nicht. Und reicher ist meine Liebe auch noch nicht geworden. Reicher in der
Liebe werde ich nicht, indem ich darüber nachdenke, rede und träume,
sondern indem ich es tue. Indem ich liebe. Indem ich mich ins Leben stürze
und mich auf die Menschen in meiner Umgebung einlasse. Wirklich einlasse.
So anders sie auch sein mögen, so fremd mir ihre Anschauungen erscheinen
und ihre Art zu Glauben der meinen so wenig ähnelt. (Ok, vielleicht genügt es
auch mit denen zu beginnen, deren Ansichten mir vertrauter sind!) Denn
„reicher an aller Erfahrung“ verheißt leider nicht, dass mir schmerzhafte
Erfahrungen und Begegnungen erspart bleiben. Aber gerade diese
Erfahrungen, auf die ich und wahrscheinlich wir alle, lieber verzichten würden,
machen unsere Liebe reicher – intensiver und tiefer. Und dann kommt bei
allem Erleben auch wieder das Reflektieren und Reden ins Spiel – indem ich
darüber bete und mir von Gott Einsichten geben lassen, indem ich über Liebe
lese, erweitere ich meine Erkenntnis und verstehe besser, was Liebe ist und
wie Gott liebt. Indem wir uns austauschen, ehrlich sagen, was verletzend war
und was wir schön fanden, wir einander vergeben und gnädig sind, erweitern
wir unseren Erfahrungsschatz und unsere Liebe wird reicher. Das ist mitunter
harte Arbeit. Aber es lohnt sich!
Stefanie Desamours
Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Mission und Diakonie an der
Theologischen Hochschule Elstal und Sachbearbeiterin für Katastrophenhilfe
im Dienstbereich Mission.